A320 Full Scale
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- Last Updated on Wednesday, 28 December 2011 14:04
- Written by mkk
Simulatorflug in einer A320 bei SimuCom (FunFly)
Am Freitag, den 17.04.2009 war es endlich soweit. Ich habe meinen Gutschein, den ich von meiner Frau vor über einem Jahr zu Weihnachten bekommen habe, eingelöst und fliege in einem Full Scale fixed A-320 Simulator in Friedrichshafen.
Der Simulator wird von der Firma SimuCom betrieben, unter anderem werden dort Abnahmeflüge für Einstellungstests bei Airlines gemacht, daneben werden aber auch Flugangstseminare und eben die FunFly Veranstaltungen angeboten.
Grundsätzlich wird der A320 von zwei Piloten geflogen, so auch im Simulator. Wenn man also ein Einzelticket hat, kommt noch eine entsprechende Person dazu. In meinem (unseren Fall) war es ein Koch aus Köln. Wie ich, hatte auch er schon Erfahrungen im Simulatorfliegen am PC, also war es für uns nicht etwas grundsätzlich neues. Auch wenn die ganze Stimmung und das Ambientein einem Full Scale Simulator natürlich etwas anderes ist, als zu Hause auf dem Bürostuhl am Schreibtisch...
Aber nun zum Flug. Zu Beginn wurden wir ca. eine Stunde lang gebrieft, was konkret heisst, dass wir eine Einführung in die Grundlagen der Fliegerei bekommen haben. Warum fliegt ein Flugzeug? Wie ist der grobe Aufbau der Triebwerke? Welche Instrumente werden für den Simulatorflug benötigt? Wie liest man sie ab? Welche Informationen liefern sie und wie sind die Anzeigen im Detail und im speziellen beim A320 mit seinem Glascockpit zu interpretieren.
Im nächsten Teil ging es dann in den Simulator. Auch dort wurden nochmal die wichtigsten Dinge kurz erklärt und "in der Praxis" gezeigt (vor allem Hebel für Fahrwerk und Klappen, mit dem Hinweis, dass nur die Anzeige gültig ist, nicht die Schalterstellung, aber dazu später mehr).
Der geplante erste Flugteil sollte von EDDM (München) Richtung Norden in eine erweiterte "Platzrunde" mit Übungsteilen führen. Aber erst mal mit dem Pushback vom Finger weg und dann über die Rollwege zum Startpunkt auf der 28L. Bis dahin ging ja schon mal alles gut, auch wenn man sich in diesem Lichtermeer erst mal zurechtfinden muss. Der Flug begann nämlich früh am Morgen...
Auf der Startbahn angekommen, wurde noch ein kurzer Check gemacht: Sind die Instrumente in Ordnung, bewegt sich alles am Flugzeug, was sich auch bewegen soll, ist noch irgendwo Verkehr im Anflug oder auf der Bahn? Dann hieß es "Ready for Take off" und der 1. Offizier stellte die Hebel auf "laut". Rotieren bei ca. 160kt (Der A320 ist so nett und blendet eine entsprechende Anzeige bei der errechnetet Geschwindigkeit für die Abflugkonfiguration im Fahrtmesser ein), Steigflug mit 15° auf 15000ft. Dann konnte auch schon die erste Übung losgehen. Triebwerke in Leerlauf, Höhe halten. Es dauerte dann knapp vier Minuten, bis ich die Höhe nicht mehr halten konnte und der A320 über die Nase wegkippt. Nach ca. 2000ft Höhenverlust und mit 100% Schub war die Situation aber schnell bereinigt. Schon erstaunlich, wie lange der A320 braucht, um an Fahrt zu verlieren. Überhaupt erstaunlich, wie lange ein Flugzeug gleten kann (siehe auch "Flying on Empty", Air Transat Flug 236).
Die zweite Übung war ein simulierter Landeanflug in Landekonfiguration. D.h. Triebwerke auf Leerlauf, Fahrt abbauen bis die Klappen in Stufe 1 gesetzt werden konnten. Nase ca. 3° über Horizont, die Sinkrate wird alleine mit den Triebwerken geregelt. Mit ausgefahrenem Fahrwerk und Klappen auf Stufe 4 brauchen wir ca. 60% Schub um uns am fliegen zu halten. Aber dann passt alles, wir kommen in der richtigen Kofiguration an.
Nachdem die Übung gut geklappt hat, macht man das ganze Spiel noch einmal, allerdings einige 1000ft tiefer und mit dem Ziel, wirklich auf der Bahn aufzuschlagen. Nun gut, kann ja so schwer nicht sein.. Der Anflug klappt auch, die Entfernung sieht auch gut aus... Die Instrumente passen alle. Dumm nur, dass man nicht auf die Bahn guckt, da steht natürlich noch ein anderer rum... Also Durchstarten... Voller Schub, Fahrwerk rein, Nase nach oben. Geschwindigkeit im Auge behalten, wenn die Kiste stabil fliegt, Klappen langsam rein. Durchatmen ;)
Das "Hindernis" auf der Bahn war natürlich vom Instruktor beabsichtigt. Der Landeanflug hat aber bis zum Durchstarten sehr gut geklappt, auch das Durchstartemanöver war voll in Ordnung, zur "Belohnung" durften wir einen "sportlichen Anflug nach Sicht" auf die 08R fliegen. Mit 45° Bank recht gedreht bis die Bahn zu sehen war, Schub auf Leerlauf, Klappen raus, Fahrwerk raus, Anflug einleiten, aufsetzen. Pause...
Nach der Pause wurden die Rollen getauscht, der 1. Offizier wurde zum Kapitän, der Kapitän zum 1. Offizier. Geplante Flugroute: von EDDM über Kempten VOR nach Friedrichshafen, Touch and Go, danach Richtung Zürich mit abschliessender Landung. Anflug nach Jeppesen Anflugkarte. Jetzt wurde auch klar, warum im Briefing die Route mit einer Runde über dem Bodenseegeplant wurde. Wir waren viel zu spät dran, um mit dem Anflug zu beginnen und demnach kurz vor Friedrichshafen noch viel zu hoch. War auch eine geplante "Gemeinheit" des Instruktors. Aber im Nachhinein eigentlich klar, das wir das versemmeln würden ;) Aber die Faustformel hat man wenigstens gelernt. Bei -3° Pitch nimmt man (Flughöhe - Flugplatzhöe) * 3, dann hat man die Entfernung, bei der man mit dem Anflug beginnen sollt, um genau an der Bahn die passende Höhe zu haben. Also Flugzeug schon mal in Anflugkonfiguration gebracht, sinken mit -3° unter Horizont und eine schöne Große Runde über den Bodensee gedreht. Wie durch ein Wunder passte dann im Endanflug auch die Höhe ;) KLappen raus, Fahrwerk raus, mit den Triebwerken die Höhe geregelt, der Kapitän konzentrierte sich auf das Fliegen, nach den Bahnen in EDDM war die Bahn von EDNY ein beserer Feldweg. Aber für einen Touch and Go reicht das schon, die A320 könnte dort sogar landen.
Touch and Go hat wunderbar geklappt, wir sind wieder in der Luft, Kurs Zürich. Auf den Weg dorthin erklärt uns der Instruktor kurz das Jeppesen Anflugblatt, nach dem wir jetzt den Anflug auf Zürich machen. Die bisher gelernten Dinge werden jetzt angewendet, d.h. die Höhe, Sinkrate und Geschwindigkeit passt grob, Klappen und Fahrwerk werden angesagt, die Bahn ist in Sicht, kein störender Verkehr zu beobachten... Trotzdem hat der Instruktor was zu meckern...Von wegen das teure Flugzeuig wäre gleich Schrott... Was denn? Sieht doch alles gut aus, Geschwindigkeit passt, Höhe passt, Entfernung zur Schwelle passt, Klappen passen, Fahrwerkshebel ist unten... Doh! Was haben wir gelernt? Die Anzeige zählt, nicht die Schalterstellung... Und was zeigt die Anzeige (im Gegensatz zum Hebel)? Klar, kein Fahrwerk draußen... Simulierter Wackelkontakt im Fahrwerksschalter. Also nochmal betätigen, jetzt tut sich unten rum was. Gerade noch rechtzeitig, um den Anflug nicht abbrechen zu müssen (obwohl, noch eine Runde extra drehen wäre nicht schlecht gewesen...). Landung in Zürich im 1. Drittel der Bahn, Full Reverse, wir stehen an der Kreuzung.
Leider war es das auch schon, der FunFly ist vorbei. Es hat sehr viel Spaß gemacht und es war eine tolle Erfahrung. Auch wenn der Simulator in weiten Teilen deaktiviert war (kein Funk, kein Anlassen, auch keine Checklistenbearbeitung etc.) hatte man mehr als genug zu tun. Zu Hause am Simulator fliegt man halt so, wie man meint, dort ging es schon geregelter zu, mit Arbeitsteilung und festgelegten Arbeitsschritten.

