Be my Dockstar
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- Last Updated on Wednesday, 06 July 2011 08:28
- Written by Markus K.
Be my Dockstar
Nein, das ist keine neue Casting-Show auf Pro1 oder Kabel7 oder wie die Sender alle heißen.

Das ist die Ausgabe eines Seagate Dockstar Mini-Computers. Oder wie will man "es" sonst nennen? NAS? Etwas übertrieben. Wobei sich die Daten durchaus sehen lassen können. 1.2GHz ARM CPU, 256MB Flash, 128MB Ram, 4 USB Ports, Gigabit Ethernet, ca. 4-5W im Betrieb. Und eine serielle Schnittstelle. Die hat meinem das Leben gerettet. Aber dazu später mehr.

Aufmerksam auf das Gerät bin ich durch das VDR-Portal geworden. Dort hat ein Mitschreiber das Gerät bei Atelco (und auch bei anderen Anbietern we Amazon und selbst beim Media Markt) für sagenhafte 19,90€ gesehen. Bei dem Preis kann man eigentlich nichts falsch machen. Eine kurze Google-Recherche ergab, dass man auf dem Teil auch ein "normales "Debian installieren kann. Von Haus aus ist da nämlich eine Pogoplug Software drauf. Diese benötigt zum Betrieb eine Internetverbindung zu einem Server, man muss dort auch einen Account anlegen und teilt somit seine Daten mit der Welt. Muss ich jetzt nicht unbedingt haben. Außerdem ist man mit einem offenen System viel besser dran, was die Auswahl von Software angeht.
Also mal schnell ein Gerät bestellt. Bei Atelco waren sie schon ausverkaft, eine neue Lieferung war aber bereits für den nächsten Tag angekündigt. Es ging dann auch recht fix, zwei Tage nach Bestellung hatte ich in kleines Päckchen in der Packstation (hab ich schon erwähnt, dass ich die Packstation sehr nützlich finde?). Zu Hause ausgepackt und begutachtet.

Wichtig! Ja nicht ans Netzwerk hängen solange man mit dem Internet verbunden ist. Sonst holt sich die installierte Pogoplug Software ein Update und dann war es das erst mal mit dem SSH Zugang. Für die (hoffentlich!) ausgelieferten Geräte ist nämlich das Passwort bekannt. Es lautet "stxadmin", Benutzername ist natürlich "root". Also das DSL Modem (aka Fritzbox) mal eben vom Telekom-Netz getrennt und in die Box gebootet. Man kommt mit SSH drauf, sehr gut. Anleitung rauskramen und loslegen, ich will Debian auf der Kiste.
Die Anleitung war schnell abgearbeitet, aber an der wichtigsten Stelle überhaupt hab ich wohl nicht aufgepasst und einen wichtigen Teil nicht kopiert. Dort, wo es um die Konfiguration des UBoot-Loaders ging. Was natürlich dazu führte, dass die Box nicht mehr bootet und naja, was soll man sagen, erst mal Schrott war.
Moment mal, Schrott? Nein, so kann man das auch nicht sagen. Immerhin hat da Gerät eine serielle Schnittstelle, die einem sozusagen den Monitor ersetzt. Alle Ausgaben werden dorthin umgeleitet. Die Daten: 115200 Baud, 8 Bits, 1 Stopbit. Dummerweise aber mit TTL Leveln, also 3,3V statt der bei RS232 üblichen 12V. Hmmmm. Aber halt, ich hab da doch vom AVR Board (bzw. als Ergänzung dazu) einen RS232-TTL Pegelwandler als Bausatz. Muss ich den halt zusammenbasteln. Vorher aber mal eben Google bemühen, wo und wie das überhaupt angeschlossen wird. Und siehe da, das brachte mir die Erleuchtung. Dort wurde beschrieben, wie man mit einem USB-zu-Seriell Kabel für ein Siemens Handy die Verbindung herstellt. Solche Kabel haben nämlich meistens schon einen Pegelwandler integriert.
Da fällt mir doch glatt ein, dass ich sowas für ein Noka Handy auch schon mal hatte. Und man glaubt es nicht, ich hab das Kabel auch gleich wieder gefunden. Problem dabei: Gibt es denn dafür noch Windows 7 Treiber? Auf dem Kabel selbst steht natürlich nichts drauf, aber die Elektronik ist benutzerfreundlich mitten im Kabel in einer durchsichtigen Box aufbewahrt, die man (sehr benutzerfreundlich) auch noch leicht aufklipsen kann. Siehe da, schon sieht man, welcher Chip da verbaut ist. Es ist ein PL2303. Google bringt gleich einige Ergebnisse, unter anderem auch aktuelle Treiber (August 2010!) für Windows 7 (32&64Bit!!). Wunderbar. Zur Sicherheit noch mal kurz das Multimeter ranhängen, ja, es sind definitiv 3,3V Pegel am Kabel.

Die drei Adern sind schnell vom Adapterstecker geschnitten, das Handy habe ich eh nicht mehr und das Kabel wird hier jetzt dringender gebraucht. Problem: Auf der Dockstar-Platine ist eine Pfostenleiste in klein, d.h. kein Standard 2,54mm Maß. Wie bekomme ich 3 absolierte Käbelchen da dran, ohne einen Kurzen zu verursachen? Alle Buchsen, die ich zu Hause gefunden habe, waren zu groß. Aber ich habe noch etwas anderes gefunden. Schrumpfschlauch in einer vermutlich passenden Größe. Also die Kabel bzw. die Litze so um das Kabel geschwungen, das ringsum Kontakt hergestellt werden kann. Dann den Schrumpfschlauch passen abgelängt und mit ca. 2mm Überstand über das Kabel geschoben und angewärmt. Wunderbar, die Größe schrumpft sich passend. Dann habe ich den Schrumpfschlauch mitsamt des Kabels einfach auf die Pfostenstifte gesteckt. Hält zumindest so gut, dass Kontakt hergestellt wird und man damit arbeiten kann. Soll ja auch keine Dauerlösung sein. ;)

Das Ergebnis sah man oben schon, sozusagen die BIOS-Ausgabe des Seagate Dockstar. Man kann den Bootvorgang unterbrechen und in einer Art Notsystem das Gerät in den meisten Fällen wieder zum Laufen bekommen. So auch hier und jetzt.
Der Reboot sollte nach der Umkonfiguration erst einmal von einem tftp-Server erfolgen. Der war eingerichtet (dachte ich zumindest) und reagierte wohl auch. Die Fehlermeldung, dass eine Gateway-IP benötigt werde, habe ich erst mal überlesen, das Gateway braucht man ja auch erst, wenn man aus dem Netz raus möchte. Das sollte die Box ja noch nicht, sie sollte ja erst mal booten. Nachdem ich einige Sachen durchprobiert und auch mal den DHCP Server neu konfiguriert hatte, klappte das Laden des "uImage" (Kernel-Image) schon mal. Aber wie kommt man jetzt weiter? Hm, "help" bringt ja tatsächlich eine Übersicht aller nutzbaren Kommandos. Sehr schön ;) Was macht das Teil denn, wenn man "boot" eintippt? Ach sieh an, wider Erwarten startet die Dockstar jetzt den Kernel vom tftp. Und kurz danach mountet sich auch der USB Stick mit dem Root-FS. Der Bootvorgang geht sehr schnell, schon bald steht das Login-Prompt und wartet auf Eingabe. Login und Passwort sind bei dem Basissystem "root"/"root" und schon ist man drin. Im Debian Lenny. Auf der Dockstar Jetzt können die restlichen Befehle abgearbeitet werden, als da wäre: Umkonfiguration des Bootloaders auf den neuen Kernel, löschen und schreiben des NAND-Speichers mit dem neuen Debian ubi-Image (ja, dann bootet die Box direkt aus dem NAND in Debian und man ist die Pogoplug-Software los) und einem Reboot. Daumen drücken, aber jetzt weiß ich ja, wie man die Box auch mit zerschossenem Boot-Loader wieder zum Leben erweckt.
Der Reboot ist im Gange, die Box initialisiert sich, der Kernel wird geladen (sieht zumindest so aus, ja, der lädt tatsächlich) und nimmt auch gleich die Arbeit auf. Das Root-FS wird gemountet und schon steht der Login-Prompt wieder da. Strike, Debian bootet aus dem NAND, der USB-Stick kann abgezogen werden. Jetzt noch schnell ein paar Einstellungen machen, resolve.conf, Uhrzeit/Zeitzone, unnötige Pakete entfernen (256MB Flash, das hatte ich schon erwähnt, oder?), den hostname anpassen und so Scherze. Ach ja, "/var/log", "/var/lock", "/var/run" und "/tmp" sollte man dem Flash zuliebe auf die Ramdisk bringen. Das geht mit ein paar Zeilen in der "/etc/fstab" recht einfach:

Jetzt muss ich mir nur noch überlegen, was ich damit anstelle. Die Spielerei (Debian installieren, sogar extended Gameplay mit serieller Schnittstelle etc.) ist gemacht. Und nun? Keine Ahnung.
Ein paar Anregungen:
- WLAN Access-Point
- UMTS Router (ich hab da noch nen Tchibo UMTS Stick...)
- TV-"Kopfstation" (DVB-S/DVB-T/DVB-C Empfänger dran, VDR mit dem Streamdev-Server Plugin drauf, ab auf den Dachboden damit)
- NAS-Server, hat zwar Gigabit Ethernet, aber dafür "nur" USB für die Platten. Aber als Docking Station für USB-Sticks und Platten allemal zu gebrauchen.
- Printserver
- MP3-Streaming Client/Server (mit USB-Soundstick und evtl. Touch-Display)
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